Buddha – Erleuchtung inklusive.
Über 40? Auf der Suche nach dem irgendwas? Dann weiterlesen.
Glauben ist ja immer so eine Sache. Da denken wir gerne an die Kirche, langweilige Gottesdienste und komische Lieder. Old school – sagt man heute. Lieber was anderes. Aber was? Im Trend liegt so einiges. Buddhismus dabei recht weit vorne. Richard Gere bekennt sich dazu – na wenn das kein Grund ist sich das mal näher anzusehen.
“Näher” muss nicht gleich Tibet sein. Der Dalai Lama ist ja nun auch schon wieder weg aus Frankfurt. Also wo ist der nächste Erleuchtete in orangenen Kutten? Es gibt ein Zentrum für Buddhisten in Europa. Das liegt in der Schweiz, schön gelegen oberhalb des Genfer See. Das Kloster Rabten Choeling.
Gegründet wurde das Kloster 1977 von einem Mönch mit dem klangvollen Namen Gesche Rabten Rinpotsche. Der wurde höchstpersönlich vom Dalai Lama nach Europa geschickt. Weil zu viele Europäer in Tibet in den Schulen saßen und was lernen wollten. Ist ja auch für die Öko-Bilanz besser. Der hatte noch seinen eigenen Schüler mitgenommen, nicht minder klangvoll: Gonsar Rinpotsche (Rinpotsche steht für “ehrwürdig” – wir lernen gerade tibetisch). Schüler sind meist jünger, so auch hier. Der Gonsar Rinpotsche ist deswegen der jetzige Abt (und Meister) und der Gesche Rabten zwar tot aber schon wieder wiedergeboren.
Tjahaa – hier hat das Sequel Methode! Und man findet die Wiedergeborenen sogar und bereitet die dann gezielt auf die Fortsetzung des alten Jobs vor. (Man stelle sich die Implikationen in der heutigen Wirtschaft / Politik vor)
In dem kleinen Örtchen findet man heute einiges an Bauarbeiten rund um das Kloster, Kommen halt immer mehr. Mehr Mönche (die in den orangenen Kutten), mehr Studenten (die sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigen) und mehr so welche wie ich selber (die nur mal gucken wollen).
Ich habe für das erste Reingucken ein verlängertes Wochenende gebucht. Von Freitag bis Montag. War nicht teuer, geht über eine Website plus nachtelefonieren (zur Sicherheit).
Ein Freund macht das schon regelmäßiger – der gab mir auch die richtigen Tipps. Zu dem was ich einpacken sollte. Auf meine Frage nach Alkohol, war seine Antwort: “Gibt es immer erst nach den Orgien”. Aha.
Angekommen und ausgepackt. In einem Schlafsaal. 10 Betten, Männer, Hohe Ohropax Indikation. Schlafsack nicht nötig. Alles da. In dem Gebäude, Farbe orange, schläft man. Auch die meisten anderen.
Für das Wochenende gibt es dann ein festes Programm. Mit 3 Mahlzeiten, Teepausen, Unterrichtungen, Frage und Antworten und Gebeten / Meditationen.
Tempel und Unterrichtung:
Hier kommt neben der Farbe Orange nun auch Gold und Buddha ins Spiel und verstärkt ins Blickfeld. Stühle ist nicht. Schneidersitz und kleines Kissen. Aua – das will echt geübt sein! Vor allen Dingen wenn das Umfeld da sitzt, als wären sie von innen mit Beton ausgegossen worden….
Achtung: Liturgie und Gesänge sind auf tibetisch. Klingt schön – braucht aber Übersetzung. Steht in den Heftchen die man umsonst bekommt und wild drin herum blättert. (Lenkt von den Schmerzen in Rücken und Beinen ab – schrieb ich schon Aua?)
Wir sind in der Schweiz. Die Unterrichtung kommt vom Meister – der dann auch auf einem kleinen Thron sitzt – auf englisch. Kann ich – prima. Neben dran sitzt Helmut. Leitet ein Kloster in Österreich ist Mitte 50 und übersetzt jeden “Absatz” des Meisters ins Deutsche (kann ich auch – manchmal verstehen Helmut und ich sogar das gleiche vom Meister, das freut einen dann!). Auf der anderen Seite sitzt eine schöne Französin und übersetzt auch. (Das geht dann übers Headset an die nur französisch verstehenden). Die Unterrichtungen sind erfreulich klar, weltlich und brauchbar. Ist im Prinzip wie eine Predigt, aber eine mit anderen Fokus. Und ganz anderer innerer Stimmung.
Glauben soll man nix. Verstehen auf jeden Fall! Daher auch Fragen und Antworten am Ende einer Unterrichtung – nicht nur so, sonder ganz unbedingt.
Worum geht es denn überhaupt beim Buddhismus?
Primär: Das Leid zu überwinden. Klingt gut.
Wie das nun geht? Im Prinzip wie bei dem behandeln einer Krankheit:
- Erkennen: Ich bin krank.
- Erkennen: Woran bin ich erkrankt?
- Erkennen: Wie kann ich es behandeln?
- Machen: Dann den Behandlungsweg gehen.
Klingt banal – sind aber, etwas übersetzt, die vier edlen Wahrheiten im Buddhismus.
Das am eigenen Glück / Unglück nicht die äußeren Umstände oder gar andere schuld sind – ist auch klar. Das ist alles hausgemacht und darf auch daher in der eigenen Birne selbst gelöst werden. Da ist Buddhismus wie Mensch-Ärger-Dich-Nicht spielen: Vor dem reinziehen, erstmal Stall aufräumen.
Noch was: Dem Buddhismus liegt das “fühlende Wesen” am Herzen. Macht Sinn. Deswegen lassen wir auch Menschen am Leben. Bei der Kuh wird der Ansatz beim Blick auf das Steak schon zwiespältig. Bei der Bratwurst abstrakt. Okay – bliebe die (sehr theoretische) Lösung: Vegetarier. (Tatsächlich bekommt man auch Fleisch da oben zu essen – Gott sei Dank). Aber der Buddhismus sieht tatsächlich alles Lebende als überlebenswert. Bei der Mücke im Schlafzimmer wird es da nun sehr grenzwertig für mich. Und: Es wird tatsächlich auch der Einsatz von Antibiotika diskutiert. Wir erinnern uns: Bakterien leben ja auch…
Was für Menschen trifft man? Im wesentlichen waren Franzosen, Deutsche, Schweizer und Österreicher da. Eher über 40 als drunter. Viele schon mehrere Jahre dabei. Sehr angenehm. Und viele gute Gespräche gehabt.
(Tatsächlich weder Alkohol noch Orgien …)
Am Tag meiner Abreise bin ich noch mal in den Tempel. Der war ganz leer und ein leichter Geruch nach Räucherstäbchen hing in der Luft. Habe mir mein Kissen genommen, mich in den Schneidersitz gesetzt (ganz freiwillig – und auch gar nicht mehr so viel Aua) und die Augen geschlossen.
Nichts zu tun, kein Aktivismus, nur sich selbst, sich ertragen und das geniessen – das war ein gutes, ganz und gar zeitloses Erlebnis.
Und ein toller Abschluss von einem wegweisenden Wochenende.

















1 Comment
Hallo Markus, hört sich sehr interessant an, Deine Erfahrungen bei den Mönchen, und schön, wie offen und klar Du hier im ach so intimen Internet berichtest…
Vielleicht schaffen wir es mal, persönlich dazu zu quatschen? Lieber Gruß, Stefanie